Kategorie: geschrieben
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Betonringschluß
Es gibt eine Simpsons-Folge, in der Lisa Präsidentin der USA wird. Als sie den Wählern eine notwendige Steuererhöhung verkaufen muss, empfiehlt ihr Milhouse, das Wort „tax“ nicht in den Mund zu nehmen, sondern stattdessen „temporary refund adjustment“ zu sagen. Und das Volk vor dem TV-Bildschirmen zahlt begeistert mit. (YouTube-Video) In meinem Heimatort Wiener Neustadt versucht die Koalition aus ÖVP, FPÖ und SPÖ ein längst vergessenes Strassenprojekt aus den 70ern durchzuboxen, für das ein weitgehend unverbautes Acker- und Auland im Osten der Stadt durchschnitten und zubetoniert würde. Die Sinn dieser sogenannten „Ostumfahrung“ wird von zahlreichen Experten glaubwürdig angezweifelt. Der Widerstand gegen…
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Unser Wiener Neustädter Prater muss bleiben!
https://www.vernunft-statt-ostumfahrung.at/ Der Ostrand von Wiener Neustadt war nicht der schlechteste Ort um in den 80er Jahren ein Kind zu sein. In unserer Freizeit erschlossen wir uns mit den Fahrrädern die Landkarte von den Industriebrachen rund um das Stadion bis hin zu den Wäldern der Lichtenwörther Au, den landwirtschaftlichen Flächen mit ihren kleinen Siedlungen und ihren verlassenen Glashäusern und verwitterten Nebengebäuden. Dieses großzügige Niemandsland zwischen Stadt und Land wurde so etwas wie unser Wiener Neustädter Prater. Rund vierzig Jahre später ist diesseits des Wiener Neustädter Kanals wenig von der alten Gstettn übrig. Die geschichtsträchtigen Industriebrachen sind gesichtslosen Wohnprojekten und Einkaufszentren gewichen.…
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“Was braucht man eine Krawatte, wenn man zum Papst geht?”
aus dem Maschek-Buch „Satire darf al“ (Czernin Verlag, Wien 2018) Robert Stachel besucht Lotte Tobisch-Labotýn in ihrer Wohnung an der Wiener Ringstraße und zeigt ihr auf seinem Notebook die Folge „Witwe Lirsch im Park“ aus der Serie maschek.in.ruhe. Man redet über den Sinn von Konventionen, über den Spaß am Altwerden und über die Hetz, die die Leute mit Donald Trump haben. An den Wänden hängen Dutzende Bilder, die Lotte Tobisch mit Persönlichkeiten zeigen, die von Maschek schon synchronisiert wurden. Am Tisch im Salon steht Kaffee bereit, dazu Weihnachtsgebäck, obwohl draußen Hochsommer ist. Lotte Tobisch: Essen Sie nur, das Weihnachtsgebäck ist…
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Hobbythek. Ein Lokal und seine Zeit.
Beitrag aus dem Jahr 2011 für das Buch „Hobbythek. Kulturelle Revolution im Wohnzimmer„, herausgegeben 2022 von Thomas Fürhapter (Wien, edition mono) Ich war im Herbst 1998 gerade von einem einjährigen Studienjahr in Berlin heimgekommen und hörte über den Falter die frohe Kunde von der neu eröffnenden Hobbythek. In einem vom österreichischen Gewerkschaftsbund verlassenen Gebäude im siebenten Bezirk bespielte ein engagierter Freundeskreis – alle Anfang/Mitte 20, etwas jünger als ich – ein Straßenlokal mit einem augenscheinlich berlinophilen Mix aus Jugendklub, Cocktailbar und Kellertheater. Zentrales Konzept der Hobbythek war ein wöchentliches Hobbyouting: Wer wollte, war eingeladen, sein Expertenwissen, sein künstlerisches Schaffen oder eben…
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Lust am Nachmittag
Drehbuch für eine TV-Comedy-Serie in sechs Teilen (fertig geschrieben, nie gedreht.) von Robert Buchschwenterund Robert Stachel(Wien 2014) Wer das Drehbuch lesen oder verfilmen möchte, schreibt uns bitte hier. Gerry Lust (45) ist Moderator beim Regionalradio in der Steiermark, seine Sendung „Lust am Nachmittag“ ist beliebt bei den Hörern, seit über zehn Jahren interviewt er täglich prominente Gäste mit jovialem Schmäh und professioneller Gelassenheit. Eigentlich hat Gerry Lust alles erreicht, was er erreichen wollte. Man kennt ihn, er verdient nicht schlecht, er hat einen fast erwachsenen Sohn und wohnt in einem schönen Haus in der Vorstadt. Objektiv gesehen hat Gerry also…
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Speckgürtel. Ein Text zum Bild „Wintertag“ von Josef F. Krichbaum.
Ein schönes Haus im Speckgürtel, hintenraus kein Nachbar: Wenn Frau N. geahnt hätte. dass sich 3D-Fernseher ohne Brille nicht durchsetzen und ihre Preise bald ins Bodenlose fallen würden, hätte sie das viele Geld in eine größeres Panoramafenster investiert. Aber Hauptsache sie hat das Haus gekriegt bei der Scheidung. Und er muss wieder aus der Stadtwohnung auf diese kalte Feuermauer schauen.
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Modern Stalking
erschienen 2014 als Vorwort zum Buch „Modern Stalking“ von Michael Dufek. (erschienen im Holzbaum Verlag) Was bedeutet der Name? Kann man davon leben? Und wie kommt man auf so etwas? Die drei immergleichen Fragen des Redakteurs an den jungen Künstler. Michael Dufek verdient es, diese Themen gleich im Vorwort beantwortet zu kriegen. Also: Die Marke Dufitoon ist – unschwer nachvollziehbar – eine Zusammensetzung aus dem Nachnamen und dem Produkt des Künstlers. Die Marke ist gut, denn sie wächst mit. Sie passt zu dem, was Dufek jetzt – beim Steilwandanstieg seiner Karriere – macht, und sie passt auch, falls Dufek aus seiner Kunst…
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„Ich glotz TV!“ (Kolik, 2008)
Gastbeitrag für kolik film, Sonderheft 10, Oktober 2008 Robert Stachel – Extras, 30 Rock, Saxondale Nach den „Simpsons“ vor 20 Jahren gab es lange Zeit kaum eine Serie, die einen festen Platz in meinen Fernsehgewohnheiten eingenommen hat. Abgesehen vielleicht von „Futurama“ und „The Critic“, einer in Europa zu unrecht kaum wahrgenommenen Trickfilmserie aus den mittleren 90ern über Arbeit und Privatleben eines New Yorker Filmkritikers.
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„MEGAPOLIS 2000 Plus – a Game by Robert Stachel“
Textbeitrag aus dem Jahr 2007 für Sigrid Rosenbergers und Martin Wassermairs Buch „Generation Sexkoffer: Jugend in den 80er Jahren zwischen politischem Klimawandel, Freizeit-Industrie und Popkultur“ (erschienen im Löcker Verlag) Wir Kinder der 80er Jahre sind die letzte Generation, die noch mit mehrheitlich analogen Medien aufgewachsen ist. Schallplatten aus schwarzem Plastik waren in den 80ern der gängige Tonträger für Musik, und die hat man noch nicht kopiert, sondern auf magnetische Tonbänder überspielt. Niemand hat darunter gelitten, dass das genauso lange gedauert hat wie die Lieder eben lang sind, das Wort Echtzeit war daher auch noch genauso wenig gebräuchlich wie das Wort Achtfachspeed. Das Fernsehen…
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Programmplanung im Community Radio
Diplomarbeit. Universität Wien, März 2005.(PDF auf Anfrage) Zusammenfassung (Abstract) Wie können Community Radios heute – in einer veränderten und komplexer gewordenen Medienlandschaft – ihre Programme gestalten? Wie weit können und dürfen sie das im Rahmen der äußeren und inneren Beschränkungen? Der freie Zugang für engagierte (aber unbezahlte) Radiomacher bleibt ein wesentliches Paradigma von Community Radio, gleichzeitig soll das Programm insgesamt ein Gesicht haben, Schwerpunkte setzen und möglichst hohe Qualität im Sinne der vielen verschiedenen Zielgruppen bieten. Gefordert sind Konzepte, die nicht bloß im Organisieren und Verwalten von Sendezeit bestehen, sondern das Programm aktiv gestalten. Die Arbeit stellt auf Basis mehrerer…